satanische strukturen – hamburg während der cdu herrschaft
NEUFASSUNG TEIL 1
https://sites.google.com/site/cherubimu/home/scheisse-schieben
!!!
lesen sie auch das dazu:
http://coffeecupz.wordpress.com/2008/07/31/hab-der-1e-job/
“satanische strukturen”
Hamburg 2004-2006
von django cherubimu
Vorwort
Der Besuch beim Arbeitsamt fing gut an.
“Das ist ein schöner Raum.” sagte ich zur Sachbearbeiterin.
“Ach ja, wirklich?” fragte die Sachbearbeiterin.
Ich schaute mich um, und meinte:
“Naja, 3,5 Meter Deckenhöhe, die Wände sind mit hellem Holz vertäfelt,
und an der Decke sind dicke Dachbalken. Das sieht doch sehr gemütlich aus.”
“Na dann, passen Sie mal auf.” sagte die Sachbbearbeiterin,
stand auf und ging zum Lichtschalter.
Das grelle Neonlicht verwandelte den hellen,
holzgetäfelten Raum in eine graue, triste Amtsstube.
Sie sah sich meine Bewerbungen durch und meinte, die wären schlecht.
Ich fragte sie, wie eine ihrer Meinung nach eine gute Bewerbung auszusehen hätte.
“Sie könnten z.B. einen Keks oder einen Teebeutel mit in die Bewerbung hinein legen
und dann schreiben, daß Sie ja wissen, daß die Mitarbeiter der Personalabteilung
täglich hunderte von Bewerbungen durchsehen müssen,
und dann schreiben Sie ganz einfach, daß die Personalsbteilung
sich ruhig eine Pause gönnen kann, um einen Keks zu essen und einen Tee trinken.
So was kommt an, so läuft das heutzutage, das fällt auf in der Personalabteilung!”
Während ich die Sachbearbeiterin der ARGE anlächelte,
ging mir eine Begebenheit durch den Kopf,
die ich als selstbständiger Fahrradkurier erlebt habe:
Ich musste einen Briefumschlag DinA3 beim Springer-Verlag abgeben.
Ich marschierte direkt zum Empfänger, also direkt an den Schreibtisch,
ohne Umweg über die Poststelle. Eigentlich kein Problem!
Doch das war gerade mal einen Monat nach dem 11. September 2001,
und es ging die Angst vor Anthrax in Briefumschlägen um.
Das war auch der Grund, warum ich so ängstlich von den beiden Redakteuren angeschaut wurde.
“Bringen Sie DEN in die zentrale Poststelle ins Haupthaus!”
sagte einer der beiden Redakteure und zeigte vorsichtig auf den Briefumschlag,
den ich in der Hand hielt.
“Der Auftrag war aber als eilig deklariert,
und die Sendung sollte persönlich abgegeben werden!” entgegnete ich.
“Das ist mir egal, lassen Sie den Umschlag nicht hier, bringen Sie den…”
während er das sagte, legte ich den Umschlag auf ein Sideboard,
um die Hände frei zu haben, damit ich meine Kuriertasche öffnen konnte.
Ein Aufschrei des Entsetzens unterbrach meine Handlung,
denn einer der Redakteure schrie mich an: “Nein, legen Sie DAS nicht da ab!”.
Verwundert schaute ich die beiden Herren, gehobenen Alters und in teuren Anzügen gekleidet, an.
Die Beiden hatten wirklich Angst. Angst vor einem Briefumschlag.
Selbst heute noch gehen alle Sendungen beim Springer-Verlag
über eine zentrale Poststelle ins Haus. Bevor man überhaupt auf das Gelände gelangt,
wird erstmal unter einfahrenden Autos nach Bomben gesucht,
der Kofferraum wird abgecheckt, Kuriertaschen müssen geöffnet werden, usw.
Ich glaube der Springer-Verlag hat einen Grund für diese kostspieligen Sicherheitsvorkehrungen.
Dann stellte ich mir vor, wie eine Personalsachbearbeiterin einen Umschlag öffnet,
wo eine pulverige Substanz heraus rieselt.
Für die Sachbearbeiterin ist das erstmal Anthrax,
bis die Ermittler eines Sonderkommandos feststellen,
daß es sich um einen zerbröselten Keks handelt.
Ein Teebeutel ist für den Absender ein Teebeutel,
doch für den Empfänger kann ein Umschlag mit einer pulverigen Substanz,
an der wohl ein dünner Draht befestigt ist, ein problematischer Inhalt sein.
Ich entschied mich, die Sachbearbeiterin vom Arbeitsamt
nicht mit meinen Gedanken zu behelligen.
Ich versicherte ihr aber, daß ich zur Zeit nicht untätig wäre
und ein Buch schreiben würde.
Über meine Erlebnisse mit den Arbeitgebern und den Arbeitsämtern.
“Ich hoffe, Sie schreiben nicht über mich…”
sagte die Sachbearbeiterin mit einem gequälten lächeln.
“Sie sind bereits Protagonistin.”lächelte ich zurück.
1. Kapitel
-NEPPER-
Realität ist etwas subjektives.
Kommunikation kann Realitäten angleichen.
Manipulationen entfernen die Realitäten voneinander .
Realitäten treffen oft in Behörden aufeinander,
oft zerbröselt die Realität eines Antragsstellers
auf den grünlich-beige-grau-braunem Behördenboden
und wird am nächsten Morgen von einer Putzkraft
mit einem Einkommen von €4,50 pro Stunde
weggesaugt werden .
Im Falle eines Antrags auf Arbeitslosengeld
wird der Antragsteller in ein schwarzes
realitätsloses Loch gesogen
welches sich in Knallrote Zahlen auf dem Konto verwandelt .
Ich wurde Arbeitslos und mußte mich beim Arbeitsamt melden ,
dort verwies man mich an das Sozialamt mit der Begründung :
“Sie haben zwar die letzten 6 Monate eingezahlt
aber Anspruch auf Arbeitslosengeld haben Sie erst
wenn Sie 12 Monate eingezahlt haben .”
Ich:”Und was ist mit den anderen 8 Jahren die Ich eingezahlt habe .”
“Da ist der Anspruch verfallen Sie haben ja zwischendurch
studiert und waren 3 Jahre selbstständig .”
Der Gang zum Sozialamt behagte mir gar nicht .
Doch dort gab man mir sofort Adressen von Zeitarbeitsfirmen ,
und das verblüffte mich wiklich da das Arbeitsamt
kein einziges Jobangebot für mich hatte .
Den besten und einzigen Anzug den Ich hatte zog Ich an
ich putzte mir mein einziges Paar lloyds Schuhe
und begab mich umgehend zur Zeitarbeitsfirma XXX
wo Ich am Empfangstresen erstmal
mein Personalausweis abgeben musste.
” Guten Tag, das Sozialamt schickt mich. Ich suche Arbeit.”
D.Z. (Disponentin Zeitarbeit) “ Ich kenn Sie doch.”
“ Bitte?”
D. Z. “ Sie haben sich hier doch schon mal beworben.”
” Nicht das ich wüsste.”
D. Z. “ Doch, doch! Ich hab ein gutes Gedächtnis, Sie waren schon mal hier.”
” Ich hab mal als Friseur gearbeitet, vielleicht…”
D.Z. “ Nein, nein. Sie waren schon mal hier, da bin ich mir sicher.”
” Ich bin zum ersten Mal hier, wirklich!”
D.Z. “ Na ja. Was suchen Sie denn für einen Job?”
” Ich würde gerne in einer Poststelle arbeiten.
Da hätte ich Erfahrung, dass steht auch in meinem Lebenslauf….”
D. Z. “ Was ist denn das hier überhaupt für ein Lebenslauf?
Hier ein bisschen studiert, da ein bisschen selbständig.”
” Na ja, ich habe einen Gesellenbrief als Friseur,
kann wegen eines Unfalles aber nicht mehr den Beruf vernünftig ausüben.
Im Lager habe ich auch schon gearbeitet und habe
Erfahrung mit Niederflurfahrzeugen.”
D.Z. “ Das ist hier kein Wunschkonzert! Sie müssen jeden Job annehmen.
Denn wenn Sie nicht das tun, was wir sagen,
dann ruf ich beim Sozialamt an und Ihnen werden 25 % gekürzt! “
” Wie viel verdient man denn hier pro Stunde?”
D. Z. “ 6 € und 1 Cent die Stunde.“
“ Der normale Zeitarbeit-Tarif liegt eigentlich bei 7 € und 1 Cent.”
D. Z. “ Den Tarif kenn ich nicht. Was soll das den für ein Tarif sein?
Ich kenn nur unseren Tarif.”
“ Das war doch sogar in der Presse mit den aktuellen Zeitarbeitstarifen.
Ich hab doch bis vor ein paar Tagen selber noch für den Stundenlohn gearbeitet.”
D.Z. “ Nein. Das glaub ich Ihnen nicht was Sie da erzählen.”
“ 6 €und 1 Cent ist wenig. Gibt es Zuschläge? Und wie viel hat man netto im Monat? “
D. Z. “ 750 € im Monat.“
”Das sind 200 € unter der Armutsgrenze und ich hab
eine Familie zu Ernähren. Was für Jobs haben Sie denn?”
D Z. “ Sie müssen Scheiße schieben,
so mit Gummistiefel und Schaufel und so.”
” Was? Und wo?”
D. Z. “ Irgendwo außerhalb, aber
3 Stunden Fahrtzeit am Tag müssen Sie akzeptieren.“
” Sponsoren Sie die Fahrkarten?”
D. Z.“ Wenn Sie drei Monate hier gearbeitet haben bekommen
Sie eine Fahrkarte für 53 €.”
” Ich soll also für weniger als 700 € 40 Stunden arbeiten?
Da müßte ich zusätzlich Sozialhilfe beantragen
um auf ein Existenzminimum von 1200 € zu kommen,
denn ich habe eine Kleinfamilie zu ernähren,
und wenn ich nicht das tue was Sie sagen dann rufen Sie
beim Sozialamt an und sorgen dafür das mir 25 % gekürzt werden.
Ich denke ich werde lieber einen Job suchen wo
Ich wenigstens 900 € verdiene.
Das ist nämlich möglich bei 7 € Stundenlohn und Zuschlägen.”
D.Z. “ Ach SO EINER sind Sie.”
“ Bitte?”
D. Z. “ Meine Mitarbeiter kommen alle sehr gut mit 750 € aus.“
” Aha ……”
D. Z. “ Wenn Sie mein Jobangebot ablehnen
dann ruf Ich beim Sozialamt an und sage das Sie Arbeit verweigern
dann werden Ihnen 25% gekürzt.”
”Ich lehne nicht ab. Wenn ich nichts besseres finde
komme ich gerne auf Ihr Angebot zurück.“
D.Z. “ Dann haben wir aber keinen Job mehr für Sie.“
“ Vielen dank für das Gespräch.”
fortsetzung folgt ……………….
2. Kapitel
“scheisse schieben”
Deutschland 2004
von Django Cherubimu
-SCHLEPPER-
Ein unscheinbares Mehrfamilienhaus-
ich klingelte
( und erlebte das zweit bizarrste Vorstellungsgespräch
meines Lebens)
die Wohnungstür wurde geöffnet.
Lautes aggressives Rottweiler Gebell
tönte mir entgegen.
Sie,
ende 40, raue Stimme von Alkohol- und Nikotinkonsum und zu viel Kneipenluft.
“ Na endlich Sie sind ja viel zu spät dran, kommen Sie rein.”
Der Rottweiler knurrte
Sie “ Ach der will nur spielen. Haben Sie etwa Angst vor Hunden?”
“ Och, äh “
Sie “ Ruhig Chuck! Bist du wohl ruhig!”
Kläffen und bellen.
Sie “ Ich sperr Ihn mal besser weg.”
Hund wurde unter lautstarkem Protest in ein Zimmer gesperrt.
“ Guten Tag erstmal. Zu spät? Ich sollte doch um 12 Uhr 30 da sein, oder nicht? Jetzt ist es 12 Uhr 20.”
Sie “ Ach nee Sie sind das ja auch gar nicht. Setzen Sie sich doch hin.
Mein Mann ist gleich wieder da, der ist nur Brötchen holen.”
“ Schöne Modellsammlung ist das.”
Sie “ Mein Mann sammelt diese Speilzeuglaster ja.
Ich find die passen auch irgendwie in das Arbeitszimmer.
Das Poster mit dem Adler dem Indianer und dem äh…äh?”
“ Truck.”
Sie “ Genau. Das ist original aus Amerika.”
“ Ich habe ihre Firma fast gar nicht gefunden. Ich dachte das wäre alles etwas größer.”
Sie “ Unser Arbeitszimmer ist die Firma!”
“ Ach.”
Die Wohnungstür öffnete sich
Sie “ Da ist ja mein Mann.”
Er,
Ende 40, raue, laute, bassige Stimme,
zwischen den linken und rechten Eckzähnen
oben greift die Zahnbürste ins Leere,
zu viel Kneipenluft und Schlägereien.
“ Tach.”
“ Guten Tag. Ich …”
Er “ Ja ja ich weiß. Vom Arbeitsamt hergeschickt, kenn ich die Geschichte.
Ich will auch gar nicht groß rumreden, ich hab auch noch genug zu tun.”
Sie “ Wir müssen das noch raussuchen mit dem Steuerbescheid die ham das wohl falsch…”
Er “ Doch nicht jetzt. Die bauen nur Scheiße auf dem Amt.
Der kleine Mann darf immer alles bezahlen für die ganzen Muluggen da.”
“ Ich hab hier meinen Lebenslauf.”
Er “ Schon mal Container gepackt? Ich meine so richtig.”
“ Ja da habe ich schon Erfahrung, das steht da auch im Lebenslauf.”
Er ” Wissen Sie, es gibt Arbeitspferde. Ja.
Ackergäule will ich gar nichts gegen sagen
Ackergäule wenn man die zu nutzen weiß.
Aber Ich brauch Rennpferde! Meine Männer sind alles Rennpferde.
Die gehen für mich durchs Feuer.
Da is nich mit dumm rum stehen oder – ach guck mal da- oder so,
da ist Packen angesagt! Ranklotzen!
Was soll denn der Kunde denken,
wenn sie da dumm rum stehen und Löcher in die Luft gucken!
Meine Männer kennen da auch kein Pardon, wenn man da nich mit anfasst.
Gestern haben die erst einen aus dem Container getreten,
das war auch so einer vom Arbeitsamt!”
Sie “ Du meinst das doch nicht wörtlich sondern nur so bildlich, oder was?”
Er “ Das mein ich sogar richtig wörtlich.
Ja, richtig raus getreten ham die den,
im hohen Bogen ist der aus dem Container geflogen.
Kam auch vom Arbeitsamt geschickt
sollte hier Praktikum machen.
Bei mir ist sowieso erst mal sechs Wochen Praktikum angesagt,
ich stell nicht mehr so schnell ein,
der ganze Papierkram und die Kosten!
Zuerst kommen alle so himmelhochjauchzend
und dann nach einem Monat nö, keine Lust mehr.
Solche Leute machen mir den Laden kaputt.”
“ Container packen als Praktikum?”
Sie “ Das macht man heutzutage so.
Das ist jetzt so üblich.
Das ist auch besser so bei fünf Millionen Arbeitslosen.”
Er “ In den erste zwei Wochen werde ich Sie
ganz normales Tempo arbeiten lassen und dann
ziehen wir das Tempo ein bisschen an,
und auch mal 24 Stunden durcharbeiten,
und nich um Punkt 6 Feierabend, oder so.
Das ist oft mal länger bis um 11 und so,
meine Männer machen das alles mit,
wir gehen da durch dick und dünn,
die gehen für mich durchs Feuer,
da kommt keiner zwischen,
ja.
Das sind Rennpferde meine Männer,
die wollen auch arbeiten.
Da wird auch mal rumgeschrien
wenn der Auftraggeber schlechte Laune hat und mich anscheißt,
dann muss ich das weitergeben an euch, ist doch normal.
Da weht sowieso ein ganz anderer Wind im Hafen.
Rennpferde sind das, solche Männer brauch ich!”
Sie “ Bei uns hat auch Eine gearbeitet die hat zuerst nur rumgeheult,
weil alle sie am Telefon angeschissen haben.
Ja und dann hat Die das einfach gelernt,
und wenn Die jetzt einen anscheißt, dann fängt Der an zu heulen.”
Er “ Das müssen Sie wissen, Ackergäule kann ich nicht gebrauchen.
Meine Männer sind alles riesen Kerle über eins neunzig,
das sind Rennpferde, ja.”
“ Das sind also zuerst sechs Wochen unbezahltes Praktikum?”
Sie “ Ja. Aber Sie bekommen doch Geld vom Arbeitsamt.
Da dürfen sie keinen Arbeitsplatz ablehnen, auch kein Praktikum.”
“ Das ist nicht ganz richtig,
ich bekomme kein Arbeitslosengeld
und mich hat das Arbeitsamt auch nicht hergeschickt.
Ich habe die Adresse aus dem Arbeitsamtcomputer,
ich kriege Sozialhilfe und such auf eigene Initiative einen Job.
Wie viel würde ich denn überhaupt verdienen,
nach sechs Monaten unbezahltem Praktikum?”
Sie “ Aber sie kriegen doch Geld vom Staat ….”
“ Aber das Arbeitsamt hat mich nicht hierhergeschickt,
ich bin sozusagen freiwillig hier,
und ich bin nicht verpflichtet ein unbezahltes Praktikum zu
machen das ist bei der Sozi nämlich anders als beim Arbeitsamt.”
Er “ 6 Euro würden sie verdienen, die Stunde, brutto.”
“ Ne tut mir Leid. Das äh ….
Dann möchte ich meinen Lebenslauf bitte wieder haben.”
Er “ Müssen Sie wissen.”
Sie “ Aber Er darf doch keine Arbeit verweigern,
das ist doch Arbeitsverweigerung, da wird Ihm doch was gekürzt.”
Er “ Kann sein das es bei der Sozi anders ist.”
“ Dann verabschiede ich mich jetzt.”
Gebelle aus dem anderem Zimmer
“ Ich find die Tür alleine, Tschüss dann.”
Sie “ Aber das ist doch Arbeitsverweigerung,
der kann doch nicht einfach wieder gehen.”
Er “ Lass mal lieber.”
Ich war froh als ich wieder draussen war,
und bemühte mich diesen Ort so schnell
wie möglich zu verlassen.
fortsetzung folgt
wer ist sexy?”
3. Kapitel
“scheisse schieben”
Deutschland 2004
von Django Cherubimu
Büroneueröffnung
40 Mitarbeiter gesucht
Diese Zeitungsannonce versprach Arbeit
ein Telefongespräch später
hatte ich ein Vorstellungsgespräch.
“Ich habe hier einen Lebenslauf …”
“Den brauchen wir hier nicht, hier kriegt jeder eine Chance,
egal was er vorher gemacht hat. Wir wollen sehen, ob jemand
den Job machen kann oder nicht. Da sagt ein Lebenslauf gar nichts aus.”
“Was für ein Job ist das denn?”
“Es geht hier um Kundenbetreuung.
Sie gehen einfach mit einem Mitarbeiter zu unseren
Kunden und beraten dann.”
“Wieviel würde ich denn hier verdienen?”
“Sie kriegen ein Festgehalt und zusätzlich Provision.
Unsere Mitarbeiter verdienen durchschnittlich 2000 € netto.”
“Ich muß aber nichts verkaufen, so wie ein Versicherungsvertreter …?”
“Nein, nein wir verkaufen keine Versicherungen.”
Dann würgte der Herr das Gespräch ab, mit der Begründung,
das er jetzt Hunger habe und Essen gehen will.
Wir vereinbarten, das ich am nächsten Morgen einfach mal kommen solle,
um einen Probetag zu absolvieren.
Erster Tag
Wir, die neuen, saßen im Vorraum des “Büros “ und warteten.
Dann kam der Herr mit dem ich das Vorstellungsgespräch hatte,
wünschte uns allen einen guten morgen und erklärte uns
das es nur eine einzige freie stelle gäbe und wir uns
deswegen besonders gut anstellen sollen.
Dann wurde jeder einem festangestellten Mitarbeiter zugeteilt.
Was ist das eigentlich für ein Job, fragte ich den mir zugeteiltem,
und wo fahren wir den hin?
“wir fahren nach niendorf ans andere Ende der Stadt
und dann beraten wir unsere Kunden.”
“wie fahren wir dahin, mit der Bahn etwa das kostet doch Fahrgeld,
soll ich das etwa selbst bezahlen?
bekommt man irgendwann das Fahrgeld wieder?”
Mir dämmerte allmählich um was für einen job es ging.
Die antwort die ich bekam verstörte mich irgendwie …
“wir arbeiten für XYZ und XYZ stellt der deutschen Bahn
die Telefonleitungen zu Verfügung deswegen hänge
ich mir mein XYZ Ausweis an und zeigt den bei ner Kontrolle vor.”
“wurdest du mal schon mal kontrolliert?”
” Ne noch nicht, die haben mir
hier aber gesagt das das mit dem Ausweis eigentlich klappen soll
das ist zwar nicht hundertprozentig korrekt
aber wenn der Kontrolleur kein Vollidiot ist
dann geht das schon
immer positiv denken
dann klappt das schon
nicht runter ziehen lassen”
Er lächelte pathetisch
In Niendorf wurde mir klar um was für einen Job es hier ging
wir latschen von Haustür zu Haustür
und mein Vorarbeiter sagte jedesmal sein Sprüchlein auf.
Es ging darum Telefonverträge abzuschließen
auf die billige Tour.
Den Einlaß in Mehrfamilienhäusern verschaffte er sich
indem er in die Gegensprechanlage reinlog
“Wir sind vom Telefondienst und haben ein paar Fragen
wegen der Telefonleitung an Sie
machen sie bitte auf.”
Am Ende des Arbeitstages wurde jeder der wollte
erstmal eingestellt
natürlich gab es nichts schriftliches
die Verträge müßten ja noch gemacht werden.
Tag zwei
dieser kostspieligen Jobaktion
fing damit an das wir in den großen Sitzungsraum geleitet wurden.
Der Raum war gefüllt mit 40 bis 50 Leuten
die in Grüppchen zusammen standen,
und unerbittlich dieses Verkaufssprüchlein einübten
der eine Kunde der andere Verkäufer.
Dann sollten wir einen großen Halbkreis bilden
und ein Festangestellter trat auf ,
um eine kleine one man Show darzubieten.
“Ja auch ich habe die Anzeige von XYZ in der Zeitung gelesen
und dachte mir na das kann ja nicht seriös sein
die suchen hier 40 Mitarbeiter auf einmal
na ich weiß nicht
na ja
ich hatte aber nichts besseres vor
und ging einfach mal hin .
Ja und denn kam ich nach Hause
und gleich zu meiner Mutter
und ich so
Mama ich werde jetzt Filialleiter
und sie so
-Was mein junge Filialleiter?
da muß man doch studieren
man kann doch nicht einfach so Filialleiter werden
- und ich so
doch mama das geht und da kann ich denn
richtig viel Geld verdienen und
krieg dann meine eigene Filiale und
meine eigenen Mitarbeiter
UND
wie ihr seht
bin ich jetzt Filialleiter!!!!!!
he das ist hier ein ganz easy job
hier ist niemand böse oder so
also WER IST SEXY?”
ich erlebte eine surreale Szenerie
denn auf die laut in den Raum geschmissene Frage
wer ist sexy?”
kam die Antwort aus 30
enthusiastischen Kehlen geschmettert
dem Chor der Festangestellten
“WIR SIND SEXY!”
“NICHT NUR SEXY …”
und der Chor noch lauter
“SUPERSEXY”
Freudestrahlende Gesichter überall
wie nach einem kosmischen Gruppenorgasmus.
Das ist einfach nicht meine Welt
ich würde dieses SUPERSEXY
kein zweites mal ohne einen
Lachanfall überstehen.
Ein paar Wochen später traf ich Leute die
die Nerven hatten sich mehrere Monate
dieses SUPERSEXY anzuhören ,
die armen haben bis heute keinen müden Cent
von dieser Firma gesehen und
durch einen Job Geld verloren .
fortsetzung folgt
4. Kapitel
“scheisse schieben”
Deutschland 2004
von Django Cherubimu
-KAFFEEKASSEN-
Eine Annonce aus dem Arbeitsamtcomputer
verhieß gut bezahlte Arbeit
Ich rief bei der Firma an und hakte nach,
mir wurde versichert das es sich nicht um Zeitarbeit handelt.
Eine Stunde später lag meine Bewerbung auf dem Schreibtisch der Firma.
Man fragte nach ob ich Computerkenntnisse habe ich bejahte
und man versprach mich anzurufen.
Und man rief mich an und erzählte mir was für ein toller Typ ich doch bin
ich würde ja Bücher lesen und so,
da wäre es doch besser ich würde nicht im Container stehen und packen
sondern am Schreibtisch mit Computer und Internet und so.
Ich freute mich.
Wir vereinbarten einen Termin und ich erschien pünktlich
am nächsten morgen um zehn und mußte bis um halb eins
auf einen der Geschäftsleiter warten.
Meine Wartezeit verbrachte ich mit einem weiterem Bewerber
B: “…und du willst hier auch Praktikum machen?”
“Praktikum? Ne, davon wurde mir nichts gesagt
ich soll hier irgendwas am Computer machen Internet und so.”
B: “Mich hat das Arbeitsamt hergeschickt ich komm ganz aus Duisburg,
hat das Amt mir bezahlt die Fahrkarte, hin und zurück.“
“Die zahlen Dir die Fahrkarte damit Du hier ein
Vorstellungsgespräch machen sollst, kriegst du Geld für das Praktikum?”
B:”Soviel ich weiß nicht, das ist auch gar nicht mehr üblich,
das man für ein Praktikum Geld bekommt.”
“Und wie lange sollst du Praktikum machen?”
B:”6 Wochen und dann werde ich wohl festangestellt.”
“Und wo ist das Praktikum hier in Hamburg?”
B:”Mühlheim an der Ruhr da soll ich denn auch wohl umziehen für.”
“Wie umziehen?”
B:”Ja das ist 2 stunden von meiner Wohnung entfernt
da wäre der Fahrweg denn zu lang also sagen die vom Amt
das ich umziehen muß für den Praktikumsplatz,
das wäre ja eine Riesenchance für mich
und wenn ich gut arbeite bekomme ich bestimmt einen Festvertrag.”
“Und für einen unbezahlten Praktikumsplatz sollst du wegziehen,
weg von deinen Freunden und von der Familie?”
B:”Nütz ja nichts, wenn ich das nicht tue ist das ja Arbeitsverweigerung
und dann werden mir 25% gekürzt.
Ich muß alles annehmen was mir angeboten wird
auch wenn ich dafür umziehen muß. ist doch normal heutzutage.”
“Und, weißt du was du da machen sollst?”
B:”Für ne Brauerei soll ich arbeiten Kisten stapeln und so.”
Ich staunte nicht schlecht das war also alles so üblich.
Dann kam endlich einer der Geschäftsleiter und
drehte mir ein Praktikumsplatz unter dem Namen “Hamburger Modell”an
ich solle Kunden werben
übers Internet und durch Telefonate
persönliches Vorsprechen und so,
man sei eine junge Firma und brauche ständig neue Leute
da man stark am expandieren sei
mittels Praktikum wolle man nur gucken
ob der Bewerber den Job überhaupt schafft.
Das sei so üblich und bei fast Fünfmillionen Arbeitslosen
auch nur verständlich.
Ich willigte ein
weil ich bei Festeinstellung auf jeden Fall
mehr als 750€ verdienen sollte.
Meinem Lebenslauf täte der Eintrag Bürotätigkeit sicherlich auch gut .
Die Sachbearbeiterin des Arbeitsamtes saß keine 30 Meter
von der Sachbearbeiterin des Sozialamtes entfernt.
Da ich die Adresse der Firma aus dem Computer des Arbeitsamtes hatte
fragte ich die Sachbearbeiterin des Arbeitsamtes
ob diese Firma denn überhaupt seriös ist
und ob so ein Praktikum wirklich üblich wäre,
man versicherte mir das alles in Ordnung sei,
und Sie stempelte mir den Praktikumsvertrag ab.
Nach ein paar Tagen Praktikum bekam ich Post vom Sozialamt
mir würden 25% von meinen Bezügen gestrichen werden teilte man mir mit.
Die Begründung für diese Sanktion war, das ich Arbeit verweigert hätte.
Die Zeitarbeitsfirma ( siehe kapitel 1)
hätte das Amt informiert das ich ein zumutbares Arbeits Angebot abgelehnt hätte
mit der Begründung das ich ja mehr Sozialhilfe bekommen würde
und deswegen nicht arbeiten will.
Das war ein schwer verdaulicher Brocken.
Das hätte ich bis dato nicht für möglich gehalten.
Da wurde ich von einer Zeitarbeitsfirma verarscht
bevor ich auch nur einen einzigen Tag für die gearbeitet habe.
Ein Widerspruch war schnell verfaßt
und ich brachte den zur zuständigen Sachbearbeiterin
um mich auch persönlich der Sachbearbeiterin zu erklären.
Meine Version des Vorstellungsgespräches
dürfte die Sachbearbeiterin doch interessieren,”in dubio, pro reo” oder was.
Doch meine Version wurde als irrelevant abgetan
und man müsse mich “bestrafen” ( wortwörtlich-originalzitat)
da ich bezahlte Arbeit abgelehnt hätte.
Ich erinnerte die Dame an mein Praktikumsplatz
und das der vom Arbeitsamt abgesegnet sei, schriftlich mit Stempel und so.
Davon wollte die Sachbearbeiterin aber nichts wissen,
Sie lehnte es auch ab die 30 Meter zu der Frau vom Arbeitsamt zu gehen.
Und wenn ich weiterhin so einen Stress mache dann werden mir mehr als nur 25%
gekürzt werden sagte Sie und verwies mich des Raumes.
Ich plagte mein Leid einem der Geschäftsführer des Praktikumplatzes.
Er ließ beim Amt anrufen und die Sachbearbeiterin des Sozialamtes
sagte mir später das wenn der Typ nicht angerufen hätte
wäre mir mehr als nur 25% gekürzt worden.
Ich fragte einen der Geschäftsführer
wie es sein könne das etwas seitens des Arbeitsamtes genehmigt
und seitens der Sozi gekürzt werde
obwohl die entsprechenden Sachbearbeiter keine 20 meter
von einander entfernt säßen und
das ich wohl glaube
das die Zeitarbeit das Amt wohl besticht
da die Arbeitskräfte so schlecht bezahlt
werden das man trotz 40 stunden Woche
Arbeit trotzdem von der Sozi abhängig wäre.
Der Geschäftsführer erläuterte mir wie das Geschäft lief.
G: “Weißt du du siehst seriös aus
deswegen wollte die Zeitarbeitsfirma dich haben
weißt du wie das ist wenn wir beim Amt anrufen
weil wir Billigarbeiter brauchen
die sagen gut
du brauchst 20 Leute
bis morgen
kriegst du
wenn du uns hundert €
in die Kaffekasse gibst
so läuft das
ist doch normal Digger.
Dann bekam ich Freitags abends einen Anruf von der Firma
ein mir unbekannter Mitarbeiter rief an
M:”Sie Beziehen doch Leistungen vom Arbeitsamt?”
“Mit wem rede ich denn da überhaupt?”
M:”Firma (…) GmbH
Sie haben sich bei uns beworben?”
“Sie sind der neue Praktikant stimmts?”
M:”Das tut jetzt nix zur Sache, Sie bekommen doch Arbeitslosengeld?”
“Ne bekomm ich nicht. Ich krieg Sozialhilfe.”
M:”Den bekommen sie ja Geld vom Staat stimmts
und sie haben sich bei uns beworben stimmts.”
“Ja und ich soll im Internet Kunden werben
so war das eigentlich abgesprochen.
Ist da nicht einer der Geschäftsführer in deiner nähe?”
M:”ne die sind alle nicht da.
Und wir haben jetzt ein Job in Mühlheim an der Ruhr
in einer Brauerei Kisten schleppen
Sonntag abend geht das los
um 19 Uhr sollst du hier sein!”
“ne ne das war aber anders abgemacht ich sollte Kunden werben
oder hast du jetzt meinen Job?
dann sollen die mir das sagen.”
M:”Auf jeden Fall sollst du um 19 Uhr hier sein
für sechs Wochen nach Mühlheim an der Ruhr
Unterkünfte werden gestellt wir haben da Häuser gemietet.
Ein VW Bus wird euch denn dahin bringen.”
“gibt es Geld dafür oder ist das noch Praktikum?”
M:”das ganze ist eine sechswöchige Praktikumsstelle
da wollen wir raus finden ob du den Job überhaupt wuppen kannst
die anderen Geschäftsführer sind schon da unten und packen mit an.”
“He ich soll doch was ganz anderes machen,
außerdem bin ich pleite da fahr ich doch nicht nach Mühlheim
ohne Geld für eine Rückfahrkarte hin.”
M: “Wir fahren da alle hin und müssen da anpacken das ist Teamwork.”
“Ne ohne Geld in der Tasche fahr ich nirgendwo hin!”
M: “Das ist Arbeitsverweigerung!”
“Bitte? “
M:”Das ist Arbeitsverweigerung!
und wenn du nicht mitfährst
dann ruf ich beim Amt an
und dann werden dir 25% gekürzt!”
Natürlich fuhr ich nicht mit
Sondern suchte schnell einen neuen Job,
viel Zeit hatte ich nicht.
Bei der nächsten Kürzung wäre es mehr als 25%.
fortsetzung folgt
5. Kapitel
“scheisse schieben”
arbeitslos in Deutschland
von
django cherubimu
-HELDEN der ARBEIT-
Endlich ein richtiger Treffer
eine Zeitarbeitsfirma die 7€und ein Cent zahlte
hurra welche Freude
soweit war es schon
das man sich über so einen Hungerlohn freute.
Am besten aber ist und bleibt das Ding mit den Überstunden,
Überstunden werden nicht bezahlt
sondern kommen auf ein Gutzeitkonto.
Das heißt
wenn im Sommer viel zu tun ist
wird rangeklotzt
und im Winter wenn nicht so viel zu tun ist
kann mann denn mal
ein paar Tage zu Hause bleiben.
(Man kann soviel arbeiten wie man will
man wird nie mehr,
als knapp 900 Euro netto,
verdienen können.)
Super
doch wenigstens kamen die mir nicht mit der Drohung
das mir 25 % gekürzt werden wen ich nicht das tue was die mir sagen.
Einen wirklichen finanziellen Vorteil hatte ich durch diesen job auch nicht
da ich immer noch von der Sozi abhängig war
trotz 38.5 Stunden Woche.
Die Fahrkarte gab es auch hier erst nach 3 Monaten für 53 € .
So wird Arbeit erst einmal zu einer Sache
die vorfinanziert werden will.
Z:”Wo haben sie denn zuletzt gearbeitet?”
“Bei einer Zeitarbeitsfirma.
Bei der Firma Röpp Service(name geändert).”
Z:”Da haben sie gekündigt ?”
“Nein, da lief nach sechs Monaten der Festvertrag aus.”
Z:”Ja, ja, das kenn ich
nach sechs Monaten soll der Lohn erhöht werden
und dann heißt es:
und tschüs.”
“Frau Röpp meinte zu mir
das ich ja nur bei der Zeitarbeit bin
weil ich zu blöd wäre mir eine richtige Arbeit zu suchen.”
Z:”Frau Röpp weiß wohl nicht
was gerade auf dem Arbeitsmarkt los ist.”
“Das dachte ich mir auch denn ich war die letzten 4 wochen
auf dem Arbeitsamt und da gibt es entweder Praktikumsplätze
oder Zeitarbeitsfirmen.
Wo man sich auch umhört
überall werden immer mehr Zeitarbeiter eingesetzt.”
Z:”Ja, der Arbeitsmarkt ist sehr hart geworden…
ich kenne Frau Röpp ich kann mir vorstellen
das Die sowas gesagt hat.”
Es kam also zum Abschluß eines Arbeitsvertrages
und zwar keinen Tag zu früh denn das Arbeitsamt
kündigte mir eine Kürzung von 25% an
wegen der Firma, wo ich zuletzt ein Praktikum absolvierte
(siehe 4. Kapitel).
Ich rief die entsprechende Sachbearbeiterin an
und machte sie erst einmal darauf aufmerksam
das ich keine Leistungen vom Arbeitsamt bekäme
und außerdem
hätte ich ja bereits einen richtigen Job
wo ich auch richtiges Geld verdiene.
Damit war die Sache dann auch erledigt.
Dachte ich.
Die Überstundenregelung sich der Zeitarbeitsfirma
fing voll an zu greifen.
( Ich wurde als Umzugshelfer eingeteilt. Wenn Sie
schon mal einen Umzug mitgemacht haben
können Sie sich vorstellen was ein
14 Stunden tag bedeutet.)
Der erste Arbeitstag begann um 7uhr und endete um 22uhr
dazwischen gab es eine halbe Stunde Essenspause.
Irgendwann im Winter
würde ich die Überstunden ja wiederbekommen.
So ging das eine Woche lang
sogar Samstags.
Dann kam der Job in der Innenbehörde
und da ging es um ein sehr schweren Schrank
am frühen morgen .
Ich lief eine Woche mit einem krummen
schmerzenden Rücken rum und schleppte Möbel.
Ich wollte den Job nicht verlieren
und ging nicht zum Arzt
Dann fing aber auch noch der Ellenbogen
an zu schmerzen und ich machte mir ernsthaft Sorgen.
35 Jahre war ich alt
und meine Konkurrenz sind
neunzehnjährige mit abgeschlossenen Ausbildungen,
selbst die müssen sich hier verheizen lassen .
Der Arzt renkte mir einen herausgeflopten Rückenwirbel
wieder ein, gab mir ne Spritze für den Ellenbogen und schrieb mich krank.
Am nächsten Tag, also
bevor meine Krankmeldung
bei der Zeitarbeitsfirma ankam
hatte ich auch schon die Kündigung im Briefkasten.
Um sicherzugehen brachte ich meine Krankmeldung
persönlich zur Zeitarbeitsfirma
dort mußte ich warten und hörte, aus einem Nebenraum
meinen Disponenten telefonieren….
Z:”Ja du hast übrigens recht gehabt
von den Leuten die vom Arbeitsamt geschickt werden
da sind 80% von Schrott und
10% sagst du naja wenn Aufträge kommen
stellst du im Notfall ein und
10 % stellst du sofort ein …”
So ein Wichser
dachte ich denn der Disponent war so alt und dick
und hatte auffällig abgeknabberte Fingernägel
das kein anderer Disponent den einstellen würde
schon gar nicht Er sich selbst.
Dann kam die Chefin höchstpersönlich
und fragte mich ob ich nicht morgen wieder arbeiten könne.
Ich machte Sie darauf aufmerksam das ich gestern
gerade erst die Kündigung im Briefkasten hatte.
Man hätte gerade sehr viel zu tun
und brauche jede Arbeitskraft
ob ich nicht morgen wieder arbeiten könne
fragte Sie erneut
Das könnte eine schöne Falle sein dachte ich,
und machte ihr klar das mein Ellenbogen
wohl längerfristig im Arsch sei was wohl auch daran gelegen
haben könnte das man 12-14 Stunden täglich
und ohne Pause arbeiten müsse
und obwohl das gesetzeswidrig wäre
es niemanden interessiert
nicht ein Amt und nicht eine Krankenkasse.
Das interessierte Sie gar nicht,
man bräuchte Mitarbeiter
die zur Arbeit hinfahren
und nach der arbeit wieder
nach hause fahren
ohne groß zu meckern,
teilte Sie mir mit
und ob ich den
morgen wieder arbeiten könne.
“Sie wollen Helden der Arbeit!!
Und beim nächsten mal
schmeißen sie mich dann wieder raus oder wie,
warum sollte ich für eine Firma arbeiten
die so leichtfertig mit Kündigungen umgeht!!”
Giftete ich sie an.
Ein paar Tage später bekam ich einen Anruf von dieser Zeitarbeitsfirma
Z:” Sie haben doch diesen Umzug,
letzte Woche Dienstag,
in der Innenbehörde mitgemacht.”
” Ja, das ist richtig wieso?”
Z:”Da haben sie doch hauptsächlich im Fahrstuhl gestanden … “
“Ja, ich hab die Möbel hochgefahren.”
Z:”Und da waren sie auch alleine mit dem Kühlschrank?”
“Ein Kühlschrank?
…..Ja ein Kühlschrank war auch dabei.”
Z:”Und sie waren mit dem Kühlschrank alleine?”
“Im Fahrstuhl?
Ja, da war ich mit dem Kühlschrank allein,
wieso überhaupt?”
Z”:Ich ruf nur an weil ich dazu verpflichtet bin,
Ihnen mitzuteilen,
das die Innenbehörde Ihre Daten haben wollte
die wollten alle daten haben
von allen die an diesem Umzug teilgenommen haben,”
“Was ist los?
Wurden Daten geklaut, oder Geld?”
Z:”Wissen sie welche Behörde das ist?”
“Ja, die Innenbehörde.”
Z:”Genau das sind interne Ermittler
die ermitteln ob es in den eigenen Reihen Korruption gibt.”
“Na, und um was geht es denn?”
Z:”Wie lange waren sie den ungefähr mit dem Kühlschrank alleine,
wie lange hat so eine Fahrstuhlfahrt gedauert?”
“Hmm, na so zwei, höchstens drei Minuten.”
Z:”Na, das könnte gereicht haben?”
“Gereicht?
Wie gereicht?
Gereicht wofür?”
Z:”In dem Kühlschrank war Kartoffelsalat …..”
“Kartoffelsalat? Hä?”
Z:”Eine angebrochene Schüssel Kartoffelsalat
und der Besitzer des Kartoffelsalates
stellte fest das wohl jemand
von dem Kartoffelsalat gegessen hätte
mindestens zwei bis drei Löffel?”
“Was?”
Z:”Die nehmen das sehr ernst mit dem Kartoffelsalat,
die haben auch schon Fingerabdrücke genommen
von der Schüssel mit dem Kartoffelsalat,
und deswegen wollten die alle Daten haben
und ich muß ihnen das mitteilen
damit sie bescheid wissen falls Die ihre Fingerabdrücke haben wollen.”
“Sie meinen das ernst was Sie da sagen?”
Z:”Die meinen das auf jeden fall ernst,
die meinen das wenn Jemand
ein Parr Löffel Kartoffelsalat stiehlt
dann wird der auch Geld stehlen.”
Der Disponent mit den abgekauten Fingernägeln
meinte es wirklich ernst
das war kein Scherz
Fortsetzung folgt
6. Kapitel
“scheisse schieben”
Deutschland 2004-2005
von Django Cherubimu
Die Arbeitslose Gazelle
geht zu dem Löwen
und sagt:
“Das Arbeitsamt hat mich hergeschickt ….”
Das mit meinem Ellenbogen
wurde zu einem “Tennisellenbogen”
und mein Arzt meinte das wohl
bei mir
der erste Lack nun ab wäre
und ich das mit der körperlichen Arbeit
erstmal vergessen könne.
Das sah die Krankenkasse
anders und schickte mich
zum MDK
insgesamt vier mal
innerhalb von zwei Monaten!
Der Grund für diese übermäßige Fürsorge
ist ganz einfach
es geht darum Kosten
für die Krankenkasse
zu sparen
und Leistungen zu kürzen.
Es geht darum Krankgeschriebene
als Simulanten darzustellen.
Falls man eine Termin,
beim MDK, verpaßt
werden die Leistungen
der Krankenkasse komplett gestrichen
und das würde
das Sozialamt
als Eigenverschulden bewerten,
und auch Leistungen kürzen.
Das medizinische Personal
des MDK
führte sich auf wie die Polizei
jedes Gespräch mit einem Arzt
ähnelte eher einem Verhör
als einem vertraulichem Gespräch
zwischen Arzt und Patient.
Man sollte ein schlechtes Gewissen bekommen
weil man sich “weigerte” zu arbeiten.
Das Argument
das man wirklich krank sei
interessierte nicht.
Die Qualifikation
und das Urteilsvermögen
anderer Ärzte wurde angezweifelt.
Es ging darum
“ob man nicht nächste woche wieder arbeiten könne”
um mehr nicht.
——————-
Dann lag sie da,
in meinem Briefkasten
die Vorladung vom Zoll.
Eine Aussage sollte ich machen zum Thema
Pratikumsplatz (siehe kapitel 4)
Gegen diese Firma
wurde wegen Menschenhandel
und Betrug ermittelt.
Meine Fresse
Was geht ab hier
in diesem Land.
Wenn Die
gegen diese Firma ermitteln
dann werden die auch
gegen das Arbeitsamt ermitteln.
Hoffte ich.
Letztenendes konnte ich nicht viel aussagen
da ich nicht in irgendwelchen Akten rumgeschnüffelt habe
sondern Spams im internet verschickte
im Auftrag dieser Firma
Doch ich wußte das die Ämter eine Kaffekasse hatten
und das sollte auch der Zoll wissen.
..
Das erzählte ich alles
der Sachbearbeiterin vom Arbeitsamt
während meines “profilings”
S:”Och, wir haben hier keine Kaffeekasse
das wüßte ich aber.”
“Das unterstelle ich Ihnen ja auch gar nicht.
Doch würde ich es ganz toll finden
wenn Sie die Jobangebote
die Sie ins Netz stellen
auch überprüfen würden.”
S:”Wir haben seit der Umstellung auf Hartz 4
soviel zu tun.”
“Ja, ja, das hab ich gelesen
was man Ihnen alles zumutet.”
S:”Ich habe ihr Profil ins Netz gestellt,
und hier haben sie noch Berechtigungsscheine
für einen Job
mit der Hamburger Modellföderung.”
“Genau das meine ich doch
unter den Namen “Hamburger Modell”
läuft viel Abzocke!
Ich hab mich umgehört
und da gibt es regelrechte Horrorgeschichten.
Wenn ich mich darauf verlassen könnte
das sie die Jobangebote auch wirklich überprüfen …”
S:”Man kann es doch wenigstens probieren
und wenn unter zehn Arbeitgebern
nur einer seriös ist
dann ist das doch schon mal was.”
Das war schon irgendwie entwaffnend
wie Sie das so daher sagte .
Fortsetzung folgt
7. Kapitel
“scheisse schieben”
arbeitslos in Deutschland 2005
Von django cherubimu
Die Partei hat immer recht
Sämtliche von mir losgeschickte Bewerbungen
kamen wieder zurück
Und hundert Absagen ermutigen einen nicht unbedingt
Also musste ich über neue Wege
nachdenken um einen Job zu finden.
Ich trat einer der zwei grossen Parteien bei
weil ich hoffte so irgendwie einen Job zu finden
So tief kann man sinken.
Mein erstes Treffen mit den Parteimitgliedern
fand in einem Lokal statt
und mir wurde klar das wohl die meisten Parteitreffen
In einem Lokal stattfinden werden
also mit Kosten verbunden sind
Es wurde Bier getrunken
und die Zungen wurden gelockert
Man regte sich über die neusten Schwachsinnigkeiten
der Parteispitze auf
und allen war klar das
Hartz 4 die Armut vergrößern wird
Ich fasste Mut und erzählte meine Geschichte
und das ich den Verdacht habe
das einige Sachbearbeiter
der Arge, des Sozialamtes
und des Arbeitsamtes
schlichtweg und einfach bestechlich wären
und es so zu einer Art
Menschenhandel kommt.
Nachdem ich meinen Verdacht geäußert hatte
erwartete ich so was wie
extremen Widerspruch
Doch weit gefehlt
Lächelnd wurde mir klargemacht
das man davon weiss
und das ich dieses Thema
Nicht überall anschneiden könne
Ohne zu riskieren
das bestimmte Parteikollegen
In den entsprechenden Positionen
So richtig sauer werden
Tja ……….
Fortsetzung folgt
8. Kapitel
” scheisse schieben”
arbeitslos in Deutschland
2005
von django cherubimu
Da saßen wir nun
so um die 50 Leute
in einem großen Raum
und hörten uns an
um was es bei dem 1 Euro Job
eigentlich gehen soll
Und die Frau da vorne am
Pult lächelte und legte los
” Sie können an unseren Computern sitzen
und Bewerbungen schreiben und wir werden
dann auch Bewerbungsgespräche üben.”
Bewerbungsgespräche üben ….
dachte ich mir
Bewerbungsgespräche üben, so so,
das durchschnittsalter der potentiellen
1Euro Jobber lag bei 30 jahren
und höher
also Menschen die schon selbst in der Lage waren
ein deutliches Wort zu sprechen
und mir kam mein erstes
Bewerbungsgespräch in den Sinn :
Ich bewarb mich in einer Druckerei
und wurde zu einem Vorstellungsgespräch
geladen
Der Chef persönlich führte das Bewerbungsgespräch.
Es war mein erstes Bewerbungsgespräch
und wir hatten in der Schule schon
Verhaltensregeln dafür gelernt
ich war also mental vorbereitet
und während der Chef mir erzählte
das es ja zur Zeit mehr Bewerber als
Ausbildungsstellen gäbe
er also hunderte von Bewerbern hätte
zog er einen Schuh und Strumpf aus
hob seinen nackten Fuß auf den Schreibtisch
und fing an sich unbekümmert
die Fußnägel zu schneiden
Die Frau da vorne am Pult
erzählte uns von den 1 Euro Jobs
die Ihre Firma zu vergeben hätte.
Es wäre eine Firma die Arbeitskräfte vermittelt
und man stehe in Kontakt mit ein
paar großen Hamburger Firmen
Ach ja , dachte ich mir
da mir aus meinem Bekanntenkreis
und aus der Presse schon so einige
1 Euro Jobs in die Ohren gekommen sind.
So werden von Speditionen 1 Euro Jobber
beschäftigt und Professoren werden an
der Universität Hamburg für ein Euro die
Stunde für Forschungsarbeit benutzt.
Die Frau am Pult
hörte sich mittlerweile an
wie eine Märchentante
“… also sie dürfen keine Jobs machen
die reguläre Arbeitsplätze ersetzen,
von daher müssen Sie sich in so einer Firma
selbst einen Job schaffen den es in dieser Firma
noch nicht gab und von dem diese Firma
noch nicht wusste das sie so einen Arbeitsplatz braucht.”
Kämpferisch, motivierend und grenzdebil
schaute Sie uns an
und sprach:
” Wenn Sie sich in so einer Firma unentbehrlich
machen und mehr als hundert prozent geben
also zum Beispiel den Kaffe für alle holen
oder – die gute Seele des Hauses- sind
dann werden sie auch übernommen
und festangestellt.”
Ich hätte laut loskotzen können.
Die Frau am Pult bekam staatliche Gelder
und durfte so eine Scheisse erzählen.
Hollywoodfilmfeeling wollte Sie vermitteln.
Die Frau am Pult hielt uns alle
tatsächlich für debil, dement
oder für doof
ich weiss es nicht
Sie grinste ins Publikum
“… hat noch Jemand Fragen?”
Keiner von uns potenziellen
1 Euro Jobbern lächelte,
wir hatten keine Fragen
sondern Aussagen
” Das ist ja wohl die grösste
Steuergeldverschwendung überhaupt hier!”
empörte sich Einer
” Anstatt hier für einen Euro Pseudoarbeit
zu verrichten, kann ich besser die Stellenanzeigen
in den Zeitungen studieren und so einen richtigen
Job finden.”
stellte eine Andere fest.
Das lächeln von der Frau am Pult
verschwand schnell.
Und die Versammlung wurde aufgelöst.
fortsetzung folgt